Solaranlage

Nachrüstung einer 200W Solaranlage auf dem VW T5.2 Multivan Dach. Ultraflache Bauart, unauffällig und für autarke Abenteuer mit gemäßigtem Stromverbrauch völlig ausreichend.

Kurzüberblick

Nachrüstung einer Solaranlage auf dem Multivan Camper Dach

Zwei aufgeklebte Solarpaneele mit insgesamt 200 Watt, in Reihenschaltung auf dem Camperdach mit minimalem Einfluss auf den Luftwiderstand.

Montage in einer Garage bei circa 15 Grad im Herbst 2021. Der Gesamtpreis lag bei mir damals bei circa 450 Euro. Durch den Preisfall bei Solarmodulen liegt man heute eher bei circa 250 bis 350 Euro für den gesamten Umbau.

Material

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Schritte

Schritt 1: Auswahl der Solarpaneele

Mir war es besonders wichtig, möglichst flache Paneele zu verwenden, die den Einfluss auf Luftwiderstand und Fahrzeughöhe gering halten. Für mich war die Variante zum Aufkleben hochflexibler Paneele dafür am passendsten.

Außerdem wollte ich die Breite meines Multivans optimal nutzen, um bei Bedarf später noch weitere Paneele ergänzen zu können. Ich hätte genug Platz, um die Anzahl der Paneele nach vorne noch einmal zu verdoppeln.

Wichtig: Die Länge von ca. 107 cm ist bei diesem Dach ein echter Vorteil. Damit passen die Paneele ideal auf die Dacherhebungen und liegen sauber auf.

Monokristalline Module haben einen besseren Wirkungsgrad, sind leichter und langlebiger. Bei der Gesamtleistung habe ich mich für 200 Watt entschieden. An sonnigen Sommertagen reicht das aus, um die Versorgerbatterie voll zu bekommen und dauerhaft die Kühlbox zu betreiben. Im Winter ist der Ertrag wegen der flacheren Sonneneinstrahlung deutlich geringer.

Meine Empfehlung ist dieses flexible 100 W Modul (2 Stück in Reihe) als Setup-Grundlage:

Flexibles Solarpanel.
Weiteres Produktfoto des flexiblen Solarpanels.

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Schritt 2: Montage und Verklebung

Voraussetzungen

  • Verarbeitungstemperatur des Montageklebers: 10 bis 35 Grad
  • Trockene Umgebung für mindestens 24 bis 48 Stunden
  • Ordentlich gereinigte Dachoberfläche, zum Beispiel mit Isopropanol
  • Unterstützung beim Auflegen der Module und zwei Leitern
  • Gewichte zum Festdrücken der Klebeverbindung
  • Schutz der Module mit Verpackungsmaterial oder Pappe

Was man alles benötigt

Auf die Vorbehandlung mit einem Primer für noch bessere Haftung habe ich verzichtet. Die Solarmodule halten seit Dezember 2021 bombenfest.

Als erstes sollte das Dach mit einem Reinigungsmittel (zum Beispiel Isopropanol) und einem Mikrofasertuch oder Küchenrollenpapier gründlich gereinigt werden. Vor der Aufbringung des Klebers haben wir die exakte Position der Module mit Kreppband markiert. Das hintere Solarmodul endet vor der Kante, an der sich die Dachrippen absenken. An den Ecken habe ich den Kleber leicht überstehend aufgebracht und Reste unmittelbar wieder weggewischt, damit später nichts flattert.

Nachdem der Kleber großzügig aufgetragen wurde, werden die Solarmodule der Reihe nach vorsichtig auf ihre Position gesetzt und festgedrückt. Anschließend haben wir die Module mit Pflastersteinen beschwert und den Kleber zwei Tage aushärten lassen. Alternativ gehen auch Töpfe, Eimer oder Bücher. Zum Schutz würde ich zusätzlich Pappe oder Schaumstoff unterlegen.

Montagevorbereitung.
Montage der Solarpaneele.

Schritt 3: Verkabelung & Schaltungsart

Die erste Frage bei der Kabelverlegung ist die zwischen Reihen und Parallelschaltung der Module. Ich habe meine Solarmodule in Reihe geschaltet. In diesem Fall erhöht sich die Ausgangsspannung, aber der Strom bleibt gleich. Im Beispiel summiert sich die Spannung von 25 Volt je Modul auf 50 Volt.

Das bringt den Vorteil, dass der Solarladeregler früher am Tag und länger am Abend genug Spannung erhält, um die Batterie zu laden. Das hilft auch in der kälteren Jahreszeit bei niedrigerem Sonnenstand. Der Nachteil ist, dass diese Schaltung anfälliger für Teilverschattung ist. Wird zum Beispiel eines der Module verschattet, wird kein Strom mehr erzeugt.

Reihenschaltung der Solarpaneele.

Schritt 4: Verkabelung und Kabelführung

Die Kabel auf dem Dach habe ich mit Klebesockeln befestigt und das beiliegende Band sicherheitshalber durch hochwertigeres Karosserie Klebeband ersetzt. Schneide die Kabel so ab, dass keine überflüssig langen Stücke übrig bleiben. Danach alle Enden mit einer Krimpzange abisolieren und mit den Verbindungsstücken sauber verbinden.

Hinweis
Saubere Verbindungen und sorgfältige Umsetzungen sparen dir später die schwierige Fehlersuche.

Für die Verlängerung zum Solarregler benötigst du zwei zusätzliche MC4 Stecker, und für die Verbindung der Reihenschaltung einen weiteren. Insgesamt also drei zusätzliche MC4 Stecker.

Wichtig bei der Kabellänge: Das Kabel muss doppelt verlegt werden, einmal für Plus und einmal für Minus. Plane daher ungefähr die doppelte Strecke vom Dachdurchgang bis zum Laderegler ein. Für viele Setups im T5 passen 10 m gut, je nach Einbauort kann es auch mehr sein. Empfehlung: Solarkabel 4mm² (10 m).

Kabel sauber verlegt und fixiert.

Um mit dem Kabel in den Innenraum zu gelangen, habe ich die Tülle der Heckklappe herausgezogen und für die Kabeldurchführung vorsichtig an der Unterseite eingeschnitten, damit kein Wasser eindringen kann.

Kabeldurchführung an der Tülle.
Tülle im Detail.

Die Verkleidung der D-Säule und am Dachhimmel zur Heckklappe muss durch vorsichtiges Ziehen abgenommen werden. Es kann passieren, dass Clips dabei kaputt gehen, diese kann man günstig nachkaufen.

Abdeckung entfernt.
Blende und Clips.

Tipp: Markiere die verlängerten Kabel vorher eindeutig, zum Beispiel mit Klebeband. So erkennst du später beim Anschluss am Laderegler sofort, welches Kabel Plus und welches Minus ist.

Das Kabel habe ich von links nach rechts unter dem Dachhimmel durchgezogen und am Kabelkanal entlang der D-Säule nach unten geführt, wo es bei mir an einem Gitter wieder herauskommt. Nun könnte man das Kabel bis zur Batterie unter dem Fahrersitz weiter verlegen. Idealerweise befindet sich der Laderegler gemäß Handbuch in direkter Nähe zur Batterie, da er sich für die höchste Effizienz auf die Temperatur der Batterie einstellen muss.

D-Säule Verkleidung.
Kabelführung.
Kabelausgang.

Schritt 5: Verkleidungen wieder montieren

Wenn die Kabel liegen, kannst du die Verkleidungen wieder anbringen. Dafür steckst du die Clips in die dafür vorgesehenen Löcher und klopfst die Verkleidung anschließend über die ganze Breite vorsichtig fest.

Am besten merkst du dir vorher die Clip-Positionen, damit du genau dort klopfst. Du hörst und fühlst ein deutliches Einrasten, wenn alles wieder sauber sitzt.

Schritt 6: Solarregler verstauen und anschließen

Den Solarregler habe ich seitlich im Bereich des Radkastens befestigt. Dafür nutze ich klebenden Klettverschluss. So ist er gut zugänglich, fliegt nicht herum und wird beim Beladen nicht beschädigt.

Als Regler nutze ich den Victron SmartSolar MPPT. Preislich ist er aus meiner Sicht absolut fair und die Kapazität reicht für dieses Setup locker aus. Praktisch ist das integrierte Bluetooth: Du kannst am Handy die aktuelle Ladeleistung einsehen und die Lade-Historie der letzten Tage prüfen.

Victron Laderegler Topview.

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Die Leitungen der Solaranlage müssen an PV + und PV - angeschlossen werden. Die Batterie beziehungsweise der Zigarettenanzünder an Batt + und Batt -. Der korrekte Anschluss von Plus und Minus ist entscheidend, sonst funktioniert das System nicht. Ein falscher Anschluss beschädigt in der Regel nichts, aber es lädt eben nicht. Die von den Solarpaneelen ausgehenden Kabel sind meistens mit Plus und Minus markiert.

Den Ausgang des Solarreglers habe ich an einen hochwertigen Zigarettenanzünder angeschlossen und speise den Strom über den Zigarettenanzünder im Kofferraum ein. Für mich ist das eine einfache Lösung, die ohne große Umbauten zuverlässig funktioniert.

Wichtig: Der Zigarettenanschluss im Kofferraum ist je nach Fahrzeug und Ausbau unterschiedlich angebunden. Wenn eine zweite Versorgerbatterie vorhanden ist, führt dieser Anschluss oft dorthin. Andernfalls kann es sein, dass das komplette Bordnetz an der Batterie im Motorraum hängt. Wenn du andere Eingänge nutzt, prüfe per Spannungsmessung, welche Batterie beim Laden tatsächlich angehoben wird.

Fazit nach 4 Jahren

Klebebefestigung:
Die Befestigung mit Silikon am Dach hält auch nach vier Jahren noch sicher und fest. Wir haben das Silikon sehr großzügig aufgetragen. Ein Haftverstärker war nicht nötig.
Reglerposition:
Die Position des Ladereglers am Radkasten hinten rechts hat bei mir keine offensichtlichen Nachteile mit sich gebracht. Er ist gut erreichbar, stört nicht beim Beladen und läuft zuverlässig.
Einspeisung:
Die Einspeisung über den Zigarettenanzünder funktioniert einwandfrei.
200 Watt im Alltag:
Die Nennleistung von 200 Watt hat bei mir von Frühjahr bis Sommer ausgereicht, um im Alltag beim Campen praktisch immer eine volle Batterie zu haben, Geräte aufladen zu können und die Kühlbox permanent laufen zu lassen. Maximal gemessen waren dabei etwa 170 Watt Ladeleistung.
Kühlbox:
Der steigende Energiebedarf bei Wärme wird dabei durch den gleichzeitig höheren Solarertrag ausgeglichen, weil die Sonneneinstrahlung intensiver ist. Tatsächlich ist die Kühlbox in meinem Auto im Dauerbetrieb und immer mit eiskaltem Bier gefüllt, ohne dass die Batterie selbst an heißen Sommertagen je leer wurde. Don’t drink and drive! Das Bier steht natürlich nur Mitfahrern zur Verfügung oder wenn der Kühlschrank zu Hause wieder leer ist.
Ladebeispiel:
Eine 100 Ah Batterie lässt sich mit diesem System an einem durchschnittlichen Sommertag mindestens einmal komplett voll laden. Damit stehen an einem Sommertag täglich bis zu 100 Ah zur Verfügung, was bei 12 V einer Energie von über 1 kWh entspricht. Grob überschlagen könnte man damit über einen Spannungswandler zum Beispiel rund eine halbe Stunde einen Föhn betreiben oder mindestens etwa 25 iPhone 17 Pro Max vollständig aufladen (je nach Verlusten und Entladetiefe).
Reinigung:
Mit den Paneelen kann man problemlos in die Waschstraße fahren. Bei der Autoreinigung mit einem Hochdruck-Reiniger musst du unbedingt darauf achten, nicht in die Nähe der Paneele zu kommen, sonst schießt man sich eine unansehnliche Blase unter die Schutzfolie. Ja, ist mir passiert und sieht doof aus.